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Keine unterklassigen Teams im DFB-Pokal Achtelfinale – Bundesliga zieht den „Kleinen“ davon?

von Phillip
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Elf Bundesligisten und fünf Zweitligisten – im diesjährigen Achtelfinale des DFB-Pokals sind die Profiklubs unter sich. Das erste Mal seit der Saison 1986/87 befindet sich nach zwei Spielrunden kein einziger Verein aus einer der unteren Ligen mehr im Wettbewerb. Mit der Elfmeter-Niederlage von Hansa Rostock gegen Bundesligist Nürnberg war am vergangenen Mittwoch kurz nach 21 Uhr auch der letzte Drittligist aus dem Pokal ausgeschieden. Dieses historisch schwache Abschneiden alleine wäre sicher noch kein Grund Alarm zu schlagen, doch wirft man zudem einen Blick auf die Entwicklung der letzten Jahrzehnte, lässt sich ein Trend erkennen: Für die „Underdogs“ wird es immer schwerer, den „Favoriten“ ein Bein zu stellen. Dies könnte auch an der immer weiter auseinander driftenden Budgets liegen.

Überraschungssiege der „Kleinen“ im DFB-Pokal werden immer seltener

In der vergangenen Woche hatten wir auf unserem Blog eine Statistik der Pokalergebnisse von unterklassigen Klubs über die letzten 55 Jahre veröffentlicht. Diese offenbarte, dass die Vereine unterhalb der 2. Bundesliga seit Mitte der 90er-Jahre immer seltener die ersten Runden überstehen. Bis tief in die 80 Jahre hinein war es normal, dass um die 30% der angetretenen unterklassigen Vereine die zweite Runde erreichten. Innerhalb der 90er-Jahre sank dieser Wert bis heute auf unter 20%. Bei 28 antretenden Klubs aus den Amateurligen und der 3. Liga sind das im Schnitt aktuell 5,5 Vereine pro Saison. Für das Überstehen der zweiten Runde fiel der Wert von knapp 10% in den 90ern (2,7 Vereine) auf aktuell 5,5% (1,56 Vereine).

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Langfristig ist der Abwärtstrend der unterklassigen Klubs also unverkennbar, der Blick auf die letzten zehn Jahre deutet allerdings auf keinen klaren Trend hin. Zwischen der Saison 2008/09 und der Aktuellen überstanden zwischen drei und sieben Klubs die erste Runde und zwischen ein und drei Klubs die zweite Runde. Mit keinem einzigen unterklassigen Achtelfinalisten bildet diese Saison eine negative Ausnahme. Mit sechs unterklassigen Teams in der zweiten Runde liegt dieses Jahr sogar leicht über dem Jahrzehnteschnitt.

Wirft man nun gleichzeitig einen Blick auf die Verteilung der durchschnittlichen Marktwerte der Ligen, ist erkennbar, dass die Budgetunterschiede zwischen den Liegen in den letzten zehn Jahren immer weiter auseinanderdriften. Werden die Pokalmärchen aufgrund der finanziellen Abgeschlagenheit unterklassiger Vereine nun also zur Seltenheit?

Marktwerte der Bundesligavereine steigen rasant – alle anderen deutschen Ligen stagnieren

Interessanterweise greift seit der vergangenen Saison der 1,16 Mrd. Euro schwere Übertragungsrechte-Vertrag zwischen der DFL und Sky, Eurosport sowie dazn.com – verteilt auf die 36 Erst- und Zweitligisten. Auch die UEFA hat ihre Prämien für Champions League, Europa League und UEFA Super Cup dieses Jahr stark angehoben – von insgesamt 1,72 Mrd. Euro in der vergangenen Saison auf 2,55 Mrd. Euro. Dies führt zu einem Anstieg der durchschnittlichen Marktwerte der Bundesliga-Vereine von 160 Mio. Euro in der vergangenen Saison auf aktuell 225,56 Mio. Euro – ein Anstieg um 41%.

Im Gegensatz dazu sind die Marktwerte der Ligen unterhalb der Bundesliga vernachlässigbar gestiegen bzw. bewegen sich auf dem Niveau der Inflationsrate. Die 2. Bundesliga kann trotz Partizipation am Fernsehdeal nur einen 24%-Marktwertanstieg von 17,05 Mio. auf 21,14 Mio. Euro pro Verein aufweisen. Für die 3. Ligisten ging es lediglich um 4,9% Prozent bergauf von 5,42 Mio. auf 5,68 Mio Euro – trotz des ab dieser Saison gültigen separaten Pay-TV-Vertrag mit der Telekom. Die Marktwerte der Regionalligisten sind von 2017/18 auf 2018/19 sogar um 37,6% gefallen. Im Schnitt liegt der Gesamtwert der Spieler pro Viertligisten nun also bei 1,93 Mio. Euro statt bei 3,1 Mio. Euro.

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Aus diesen Zahlen lässt sich erkennen, dass die Schieflage im deutschen Fußball immer größer wird. Auf die letzten zehn Jahre gesehen, enteilt die Bundesliga den unteren Ligen. Die Grafik zeigt eindeutig, wie die deutsche Eliteliga sich in diesem Zeitraum verdoppelt hat, während die Marktwerte der unteren Ligen mehr oder weniger stagnieren.

Fazit: Wenn sich die Entwicklung fortsetzt, werden Pokalüberraschungen eine echte Rarität

Klar, der Trend in den Marktwerten und die die Pokalleistungen der unterklassigen Klubs lassen sich nicht zwangsläufig in eine Kausalkette stellen. Aber es passt schon ins Bild, dass die unterklassigen Klubs gerade in dem Jahr der größten Kapitalerhöhung der Bundesliga und der Verringerung der Regionalligabudgets nur zwei Bundesligavereine an Klubs unterhalb der zweiten Liga scheiterten (Stuttgart und Frankfurt). Die Misere der „Kleinen“ im Pokal scheint also hausgemacht. Sollte sich der Trend dieses Jahres verfestigen, ist der DFB dringen zum Nachjustieren angehalten.

Quellen:

Die Marktwert-Daten wurden der Website transfermarkt.de entnommen. Bei Ligen, die über mehrere Staffeln verfügen, wurde ein Durchschnittswert von allen Vereinen der Spielklasse genommen. Die Daten für den DFB-Pokal stammen aus unserer Untersuchung „Unterklassige Vereine im DFB-Pokal seit 1964“.

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